Aus der Kabine der DJK AH

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Meine Frau, der AH-Fußball und ich

Am letzten Freitag hatte ich einen sehr schönen Abend bei meinem Lieblings-Italiener. Das parallel laufende Länderspiel gegen Gibraltar ging mir dagegen an einem ganz bestimmten Körperteil vorbei. In einer angeregten Unterhaltung habe ich meiner Frau viel lieber die Besonderheiten des „Alt-Herren-Fußballs“ bei der DJK Daxlanden erklärt:
An jedem Mittwoch des Jahres, bei Wind und Wetter, Glatteis und Graupelschauer treffen sich reife (und oftmals auch überreife) Fußballspieler, die über 30 Jahre alt sind – eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Diese Fakten waren meiner Frau sehr wohl bewusst, da sie mich an einem Mittwoch nur sehr selten zu Gesicht bekommt.
Im Vordergrund stehen bei uns der Spaß und die Freude am Fußballsport. Verletzte gibt es hin und wieder auch, dass liegt aber meist daran, weil die aktuellen Körper meiner verehrten Sportfreunde ihre besten Tage schon hinter sich haben.
„Das Leistungsvermögen der AH-Spieler nimmt gegenüber den jüngeren Spielern deutlich ab“, so die Theorie meiner Frau.
Ich entgegnete: Bei der DJK Daxlanden ist das Niveau (mindestens) im Champions-League-Bereich, darum wird auch immer am Mittwoch trainiert. Dass bei den Spielern das Körperliche, die Schnelligkeit und die Robustheit sinkt, habe ich selbst noch nicht beobachten können. Den skeptischen Blick meiner Frau konnte ich nicht richtig einschätzen, gesagt hat sie aber auch nichts. Das muss Liebe sein!
Den Einwurf meiner Frau, dass sich doch auch immer mal wieder einer verletzt, weil es bei uns so furchtbar ehrgeizig zugeht, konnte ich ein wenig relativieren: „Meine Liebe, das oft gefürchtete ,Hineingrätschen, in Zweikämpfen ist eigentlich untersagt. Bei uns kann sich nur ,der’ Thomas nicht daran halten, der kann nicht anders, der will nur spielen. Sonst passiert aber nichts Schlimmes bei uns!“
Verletzungen und Krankheiten sind keine guten Themen am romantischen Abend zu zweit, daher habe ich dann wieder die großen sozialen Aspekte meiner Sportgruppe hervorgerufen.
Das Interesse am Kick bei der DJK ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Wir konnten in den letzten Jahren ca. zehn neue „junge“ Mitglieder gewinnen. Eine Trainingsbeteiligung von ca. 18 Spielern pro Training ist einzigartig! In meinen zehn Jahren bei der DJK Daxlanden ist nur einmal das Training ausgefallen, an einem 1. Mai. Alternativ hatte ich an diesem Tag immerhin noch sieben Sportkammeraden an meiner Seite – beim Biertrinken (meine Frau schwieg vielsagend).

Ich bestellte uns den Hauptgang: Natürlich Pizza Giuseppe Meazza!

Auf die Frage meiner Frau, was dann alles so in der Kabine besprochen wird, konnte ich erfreut antworten: Politik, Allgemeinwissen und natürlich die Geschichte das AH-Fußballs (aber auch Themen wie Frauen und Sex sollen angerissen und schweinische Witze erzählt worden sein, aber das sind Legenden, auf die man nicht hören sollte)!

Ich ließ dann gleich meinem Wissen freien Lauf:

Die Geschichte des Altherren-Fußballs in Deutschland begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg (obwohl unser Hobbyhistoriker Thomas darauf besteht, schon 1916 so etwas gefunden zu haben). Spieler, die aufgrund ihres Alters nicht mehr in den aktiven Mannschaften ihrer Vereine spielten, suchten sich ein neues sportliches Betätigungsfeld. Die Sportart wollten die meisten von ihnen nicht wechseln, also entschlossen sie sich zur Gründung von Altherren-Teams. TSV 1860 München, Kickers Offenbach, VfR Mannheim, RW Frankfurt, FK Pirmasens, Wuppertaler SV, SV 08 Laufenburg, SSV 05 Troisdorf und SC Arminia Ochtrup gehörten zu den Pionieren der Altherrenteams. Aus zunächst wenigen Oldie-Trupps, die sich aus Spielern, die älter als 30 Jahre waren, rekrutierten, wurden im Laufe der Jahre gut organisierte Mannschaften. Zwar gab und gibt es auch heute noch in verschiedenen Landesverbänden des Deutschen Fußballbundes keinen organisierten Spielbetrieb in Form von Punktspielrunden, doch haben die meisten Teams einen Spielplan mit Freundschaftsspielen sowie Hallen- und Feldturnieren, der sich über das gesamte Jahr erstreckt.
Mein Frau wirkte jetzt ein bisschen ratlos, eigentlich hatte sie in der Kabine mit den Themen Autos, Frauen, Alkohol, Sex und mit schweinischen Witze gerechnet, dass konnte ich allerdings gar nicht nachvollziehen.

Ich bestellte uns noch zwei Gläser Wein und legte nach:

1948 wurde erstmals in Bad Münster am Stein vom VfL Bad Münster am Stein das mittlerweile schon legendäre Altherren-Fußballturnier um den Rheingrafenschild ausgetragen. Altherren-Mannschaften aus dem gesamten Bundesgebiet trafen und treffen sich noch heute am zweiten Wochenende im Mai an der Nahe, um den Rheingrafenschild–Champion für Ü-32- und seit 1998 auch für Ü-50-Oldies zu ermitteln. Auch in den Regional- und Landesverbänden des DFBs wurde man sich der Bedeutung des Altherren-Fußballs immer bewusster, so dass bereits in allen Fußballverbänden Meisterschaften für Altherren-Mannschaften durchgeführt werden. 1971 startete der Württembergische Fußballverband die erste Senioren-Fußballmeisterschaft, einen Wettbewerb für Spieler über 30 Jahre. Dieser Wettbewerb hat sich – allerdings mit einer Pause zwischen 1977 und 1986, ausgelöst durch einen drastischen Rückgang der Teilnehmerzahlen – bis zum heutigen Zeitpunkt etabliert. Wir, die AH der DJK, bringen es im Jahr selbst auf 5-6 Freundschaftsspiele, dazu noch 3-4 Kleinfeldturniere.
Die Augen meiner Frau glänzten, soviel Zuspruch für meine DJK-AH hatte ich nicht erwartet, oder war es etwa nur der Wein?

Jedenfalls haben wir uns wieder zum Pizzaessen verabredet, dann will meine Frau über ihre Yogagruppe berichten.

Von Andreas „Schoko“ Gerlach